Glossar
Die Begriffe, kurz erklärt.
UX-Research bringt eine Menge Fachwörter mit, und die meisten davon lassen sich in drei Sätzen erklären. Jeder Eintrag verweist auf die Methodenseite, den Beitrag oder das Fallbeispiel, wo der Begriff ausführlich vorkommt.
- Begriffe
- 35
- Ausführlich
- Blog
A
- A/B-Test
-
Zwei Varianten werden parallel ausgespielt, um zu messen, welche besser abschneidet. Ein A/B-Test zeigt welche Variante gewinnt, nie warum — und auch nicht, ob eine dritte, nicht getestete Variante besser gewesen wäre. Er optimiert innerhalb dessen, was man sich bereits ausgedacht hat.
- Anonymisierung
-
Daten sind anonym, wenn sich kein Rückschluss auf eine bestimmbare Person mehr ziehen lässt — auch nicht über die Kombination mehrerer Angaben. Anonyme Daten fallen nach Erwägungsgrund 26 der DSGVO nicht unter die Verordnung. Den Namen wegzulassen genügt dafür nicht.
B
- Benchmark
-
Ein externer Vergleichswert, der eine Messung einordnet. Ohne Benchmark ist ein Kennzahlenwert bedeutungslos: Erst der Bezugspunkt macht aus einer 68 die Aussage „exakt Durchschnitt“. Benchmarks gibt es für SUS, für jede UEQ+-Skala und branchenabhängig für den NPS.
C
- Clustering auch: Themengruppierung
-
Offene Antworten werden nach ihrer Bedeutung zu Themen gruppiert, nicht nach übereinstimmenden Wörtern. „Der Versand war mir zu teuer“ und „bei der Konkurrenz ab 20 Euro portofrei“ landen im selben Cluster, obwohl sie kein Suchwort teilen. Genau daran scheitert eine Stichwortsuche.
D
- Decision Engine
-
Bezeichnung in usabiq für den Schritt, der aus einer fertigen Auswertung eine priorisierte Handlungsliste erzeugt. Gemeint ist die Lücke zwischen „wir haben die Daten“ und „wir wissen, was wir tun“ — der Schritt, der in Erhebungen am häufigsten übersprungen wird.
F
- Fehlermarge auch: Konfidenzintervall
-
Die Schwankungsbreite, innerhalb derer der wahre Wert der Grundgesamtheit liegt. Bei ± 5 Prozentpunkten und einem gemessenen Anteil von 37 Prozent liegt der tatsächliche Wert zwischen 32 und 42 Prozent. Eine kleinere Fehlermarge kostet überproportional viele Teilnehmende.
- Freitextantwort auch: offene Antwort
-
Eine Antwort ohne vorgegebene Auswahl. Freitexte sind der einzige Teil einer Umfrage, in dem etwas stehen kann, woran die fragende Person nicht gedacht hat. Sie kosten in der Auswertung am meisten Aufwand und liefern regelmäßig die entscheidende Erkenntnis.
G
- Grundgesamtheit
-
Alle Personen, über die eine Aussage gelten soll — etwa „alle aktiven Kunden der letzten zwölf Monate“. Die Grundgesamtheit ist vor der Erhebung zu definieren, weil sie bestimmt, wie groß die Stichprobe sein muss und wen die Einladung erreichen muss.
J
- Job auch: Jobs-to-be-Done, JTBD
-
Der Fortschritt, den jemand in einer bestimmten Situation erreichen will. Nicht die gewünschte Funktion, sondern das Ziel dahinter: nicht „ein Filter nach Datum“, sondern „den Vorgang von letzter Woche wiederfinden, bevor der Kunde zurückruft“. Auf einen Job antworten mehrere Lösungen.
- Job Story
-
Ein Ergebnisformat der JTBD-Erhebung nach dem Muster „Wenn Situation, möchte ich Ziel, damit Nutzen“. Im Gegensatz zur Persona beschreibt die Job Story keine Person, sondern eine Situation — und ist damit unabhängig von demografischen Annahmen.
Methode ausführlich erklärt Welche JTBD-Variante passt zu meiner Frage?
- JTBD Needs
-
Die JTBD-Variante für Dienstleistungen und langlaufende Geschäftsbeziehungen. Erhoben wird, welche Erwartungen an die Zusammenarbeit bestehen und wie gut sie erfüllt werden: Erreichbarkeit, Verlässlichkeit von Zusagen, Mitdenken, Umgang mit Fehlern.
- JTBD ODI auch: Outcome-Driven Innovation
-
Die einzige JTBD-Variante mit rechnerischer Priorisierung. Zu jedem gewünschten Ergebnis werden Wichtigkeit und aktuelle Zufriedenheit erhoben; daraus entsteht der Opportunity Score. Setzt voraus, dass der Job bereits in einzelne Ergebnisse zerlegt werden kann.
- JTBD Story
-
Die JTBD-Variante für den Fall, dass der tatsächliche Ablauf noch unbekannt ist. Statt zu bewerten, lässt man erzählen: „Beschreiben Sie den letzten Fall von Anfang bis Ende.“ Der Wert liegt in den Umwegen, die Menschen dabei von selbst schildern.
- JTBD Switch
-
Die JTBD-Variante für Wechselmomente: Kauf, Abbruch, Kündigung, Anbieterwechsel. Sie misst die vier Kräfte und ist die einzige verbreitete Methode, die erklärt, warum etwas nicht zustande kam. Dafür müssen Abbrecher befragt werden, nicht Kunden.
K
- Kano-Modell
-
Einteilung von Produktmerkmalen nach ihrer Wirkung auf Zufriedenheit: Basismerkmale fallen nur auf, wenn sie fehlen; Leistungsmerkmale wirken proportional; Begeisterungsmerkmale überraschen positiv, werden aber nicht vermisst. Merkmale wandern über die Zeit von oben nach unten.
- Kodierung auch: qualitative Inhaltsanalyse
-
Die systematische Zuordnung von Freitextantworten zu Kategorien. Methodischer Standard ist ein Kategoriensystem, das am Material entwickelt und anschließend von einer zweiten Person an einer Stichprobe geprüft wird. Ohne diese Zweitkodierung ist das Ergebnis eine Meinung in Tabellenform.
- Konfidenzniveau
-
Die Wahrscheinlichkeit, mit der der wahre Wert innerhalb der Fehlermarge liegt. Üblich sind 95 Prozent. Ein höheres Konfidenzniveau bedeutet mehr Sicherheit und verlangt eine größere Stichprobe: Von 95 auf 99 Prozent zu gehen, kostet rund drei Viertel mehr Antworten.
L
- Likert-Skala
-
Eine Zustimmungsskala mit meist fünf oder sieben Stufen, von „stimme gar nicht zu“ bis „stimme voll zu“. Der SUS verwendet fünf Stufen. Wichtig ist eine gleichmäßige Beschriftung aller Stufen — nur die Endpunkte zu benennen, verzerrt das Antwortverhalten.
N
- Net Promoter Score auch: NPS
-
Eine einzelne Frage nach der Weiterempfehlungsbereitschaft auf einer Skala von 0 bis 10. Werte von 9 und 10 gelten als Befürworter, 0 bis 6 als Kritiker, 7 und 8 werden verworfen. Der NPS ist der Anteil der Befürworter minus dem der Kritiker und liegt zwischen −100 und +100. Er misst die Kundenbeziehung, nicht die Bedienbarkeit.
O
- Opportunity Score
-
Kennzahl aus JTBD ODI, berechnet als Wichtigkeit plus der Lücke zwischen Wichtigkeit und Zufriedenheit, wobei negative Lücken als null zählen. Hohe Werte stehen für Ergebnisse, die wichtig sind und schlecht erfüllt werden. Der praktische Wert liegt oft unten: Ein niedriger Score ist die belastbarste Begründung, etwas nicht zu tun.
Methode ausführlich erklärt Welches Feature bauen wir als Nächstes?
P
- Pseudonymisierung
-
Der Personenbezug wird durch eine Kennung ersetzt, bleibt über einen getrennt aufbewahrten Schlüssel aber herstellbar. Pseudonyme Daten sind personenbezogen und unterliegen vollständig der DSGVO. Ein personalisierter Teilnahmelink macht eine Umfrage pseudonym, nicht anonym.
R
- Repräsentativität
-
Die Stichprobe bildet die Grundgesamtheit in den relevanten Merkmalen ab. Repräsentativität entsteht durch die Auswahl, nicht durch die Größe: Eine Erhebung mit 5.000 Antworten aus dem eigenen Newsletter bleibt schief, weil sie nur Newsletter-Abonnenten erreicht.
- RICE
-
Priorisierungsverfahren aus Reichweite, Wirkung, Zuversicht und Aufwand: Reach × Impact × Confidence geteilt durch Effort. Als einziges der gängigen Verfahren bezieht RICE den Aufwand ein. Wirkung und Zuversicht werden allerdings fast immer geschätzt statt erhoben.
- Rücklaufquote
-
Der Anteil auswertbarer Antworten an den versendeten Einladungen. Bei niedrigem Rücklauf ist nicht die Fallzahl das Hauptproblem, sondern die Verzerrung: Es antworten überdurchschnittlich viele sehr Zufriedene und sehr Verärgerte, die große Mitte fehlt.
S
- Sättigung
-
Der Punkt, ab dem zusätzliche Teilnehmende keine neuen Themen mehr beitragen. Sättigung ist das Abbruchkriterium qualitativer Erhebungen und wird meist nach 20 bis 30 Teilnehmenden erreicht. Für Anteilsaussagen ersetzt sie die statistische Stichprobenrechnung nicht.
- Segment
-
Eine Teilgruppe der Befragten, etwa Neukunden gegenüber Bestandskunden. Die Mindestzahl an Antworten gilt je Segment, nicht insgesamt — der teuerste und am häufigsten übersehene Punkt der Erhebungsplanung. Wer vier Gruppen vergleichen will, braucht in jeder genug Antworten.
- Sentiment
-
Die Stimmungseinordnung einer Antwort als positiv, gemischt oder negativ. In Verbindung mit Clustering zeigt Sentiment, ob ein häufig genanntes Thema als Problem oder als Stärke beschrieben wird. Feinere Abstufungen sind maschinell nur eingeschränkt verlässlich.
- Signifikanz
-
Ein Unterschied gilt als statistisch signifikant, wenn er sich kaum durch Zufall erklären lässt; üblicher Schwellenwert ist eine Irrtumswahrscheinlichkeit unter fünf Prozent. Signifikant heißt nicht bedeutsam: Bei sehr großen Stichproben werden auch belanglose Unterschiede signifikant.
- Stichprobe
-
Die tatsächlich befragte Teilmenge der Grundgesamtheit. Für ein Konfidenzniveau von 95 Prozent und eine Fehlermarge von 5 Prozentpunkten sind bei großen Grundgesamtheiten 385 auswertbare Antworten nötig — unabhängig davon, ob die Grundgesamtheit 50.000 oder fünf Millionen umfasst.
- Suggestivfrage
-
Eine Frage, die eine bestimmte Antwort nahelegt — etwa „Wie hilfreich fanden Sie die neue Übersicht?“. Sie setzt voraus, dass die Übersicht hilfreich war, und verschiebt das Ergebnis nach oben. Neutral wäre: „Wie bewerten Sie die neue Übersicht?“
- Synthetische Nutzer auch: synthetische Befragte, Synthetic Users
-
KI-generierte Befragte: Ein Sprachmodell beantwortet Fragen so, wie es eine beschriebene Zielgruppe vermutet. Bei Durchschnitten liegen die Antworten oft nah an echten Daten, sie streuen aber weniger, hängen am Wortlaut des Prompts und kennen nichts, was nicht in den Trainingsdaten steht — etwa die Probleme mit dem eigenen Produkt. Brauchbar als Vorstufe einer Studie, nicht als Ersatz.
- System Usability Scale auch: SUS
-
Ein Fragebogen aus zehn abwechselnd positiv und negativ formulierten Aussagen, der die wahrgenommene Bedienbarkeit als Wert zwischen 0 und 100 abbildet. 68 Punkte sind der Durchschnitt über mehrere hundert veröffentlichte Studien. Der Wert ist kein Prozentwert und keine Schulnote.
Methode ausführlich erklärt SUS-RechnerSUS-Score interpretieren
U
- UEQ+
-
Ein modularer Fragebogen zur User Experience. Aus einer Sammlung validierter Skalen — Effizienz, Durchschaubarkeit, Verlässlichkeit, Attraktivität und weitere — werden die relevanten ausgewählt und einzeln auf einer Skala von −3 bis +3 gemessen. Anders als der SUS ist der UEQ+ diagnostisch: Er zeigt, woran es hängt.
- Usability auch: Gebrauchstauglichkeit
-
Wie wirksam, effizient und zufriedenstellend sich eine Aufgabe mit einem System erledigen lässt. Usability ist ein Teil der User Experience, die zusätzlich Erwartung, Vertrauen, Ästhetik und das Erleben vor und nach der Nutzung umfasst. Der SUS misst Usability, der UEQ+ die breitere User Experience.
V
- Vier Kräfte
-
Das Kräftemodell hinter JTBD Switch: Push weg vom Bisherigen, Pull hin zum Neuen, Angst vor dem Wechsel und Gewohnheit zugunsten des Status quo. Aufschlussreich ist das Verhältnis — sind Push und Pull hoch, aber die Angst dominiert, helfen Rückgabebedingungen und nicht der Preis.
Methode ausführlich erklärt Warum brechen Kunden im Checkout ab?
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