Methode · Usability

System Usability Scale (SUS): Fragebogen, Berechnung und Einordnung

Zehn Aussagen, fünf Antwortstufen, ein Wert zwischen 0 und 100 — der SUS ist die schnellste vergleichbare Messung von Bedienbarkeit. Genau deshalb sagt er, wie gut etwas bedienbar ist, und nie, warum.

Was ist der System Usability Scale?

Der System Usability Scale ist ein standardisierter Fragebogen aus zehn Aussagen, der die wahrgenommene Gebrauchstauglichkeit eines Systems als einen Wert zwischen 0 und 100 abbildet. John Brooke hat ihn 1996 bei Digital Equipment entwickelt und selbst „quick and dirty“ genannt.

Das ist keine Abwertung, sondern die Stärke der Methode: Der SUS kostet Teilnehmende rund zwei Minuten, funktioniert für Software, Websites, Geräte und Maschinensteuerungen gleichermaßen und ist über Jahrzehnte so oft eingesetzt worden, dass es einen belastbaren Vergleichswert gibt.

Wann passt der SUS — und wann nicht?

Der SUS passt, wenn Sie einen schnellen, vergleichbaren Gesamtwert für die Bedienbarkeit brauchen. Typische Anlässe:

  • ein Ausgangswert vor einem Umbau, gegen den Sie später messen
  • zwei Versionen oder zwei Produkte auf derselben Skala vergleichen
  • ein regelmäßiger Messpunkt, etwa nach dem Onboarding
  • ein Ausschluss: prüfen, ob die Bedienung überhaupt die Ursache eines Problems ist

Der SUS passt nicht, wenn Sie wissen müssen, woran es hängt. Er trennt nicht zwischen Verständlichkeit, Geschwindigkeit und Verlässlichkeit. Dafür ist UEQ+ gebaut. Und er beantwortet keine Frage nach Motiven oder Bedürfnissen — dafür sind die Jobs-to-be-Done-Varianten zuständig.

Wie ist der SUS-Fragebogen aufgebaut?

Zehn Aussagen auf einer fünfstufigen Zustimmungsskala, abwechselnd positiv und negativ formuliert. Die Stufen reichen von „stimme überhaupt nicht zu“ (1) bis „stimme voll zu“ (5).

  1. Ich denke, dass ich dieses System gerne regelmäßig nutzen würde.
  2. Ich fand das System unnötig komplex.
  3. Ich fand das System einfach zu benutzen.
  4. Ich glaube, ich bräuchte technische Unterstützung, um das System zu nutzen.
  5. Ich fand, die verschiedenen Funktionen waren gut integriert.
  6. Ich fand, es gab zu viele Widersprüche im System.
  7. Ich kann mir vorstellen, dass die meisten Menschen das System schnell beherrschen.
  8. Ich fand das System sehr umständlich zu bedienen.
  9. Ich fühlte mich bei der Nutzung sehr sicher.
  10. Ich musste viel lernen, bevor ich mit dem System zurechtkam.

Der Wechsel zwischen positiv und negativ ist Absicht. Er zwingt dazu, jede Aussage zu lesen, statt eine Spalte durchzukreuzen. Deshalb gilt auch: Den Wortlaut nicht verändern. Der Vergleichswert von 68 hängt daran, dass alle dieselben zehn Sätze beantworten.

Wie wird der SUS-Wert berechnet?

Je Teilnehmendem werden die Antworten umgepolt, addiert und mit 2,5 multipliziert; erst dann wird über alle gemittelt.

  1. Ungerade Aussagen (1, 3, 5, 7, 9): Antwort minus 1
  2. Gerade Aussagen (2, 4, 6, 8, 10): 5 minus Antwort
  3. die zehn Werte addieren — Ergebnis 0 bis 40
  4. mit 2,5 multiplizieren — Ergebnis 0 bis 100
  5. über alle Teilnehmenden mitteln
SUS = ( Σ(ungerade − 1) + Σ(5 − gerade) ) × 2,5

Ein Beispiel für eine einzelne Person mit den Antworten 4, 2, 4, 1, 5, 2, 4, 2, 4, 3:

Aussagen Antworten umgerechnet Summe
ungerade 1, 3, 5, 7, 9 4, 4, 5, 4, 4 3, 3, 4, 3, 3 16
gerade 2, 4, 6, 8, 10 2, 1, 2, 2, 3 3, 4, 3, 3, 2 15
gesamt 31 × 2,5 = 77,5

Wie ist ein SUS-Wert einzuordnen?

68 Punkte sind der Durchschnitt, nicht die Note „befriedigend“. Jeff Sauro hat über 500 veröffentlichte SUS-Erhebungen zusammengeführt und kam auf diesen Mittelwert. Wer 68 erreicht, liegt im Mittelfeld aller gemessenen Systeme.

Zwei weitere Marken sind in der Praxis relevant: Ab 80,8 Punkten gibt es die Note A und damit einen Platz unter den besten zehn Prozent, unter 51,7 Punkten gilt die Bedienbarkeit als nicht mehr akzeptabel. Die vollständige Notenskala und die typischen Lesefehler stehen im Beitrag SUS-Score interpretieren.

Entscheidend ist: Die Skala ist relativ. Ein einzelner Wert ohne Vorher, ohne Wettbewerber und ohne Vergleichssegment ist eine Zahl ohne Aussage.

Beispiel: Der SUS als Ausschluss im Checkout

Im Fallbeispiel Onlineshop brechen sieben von zehn Kunden mit vollem Warenkorb ab. Geplant ist die dritte Überarbeitung des Checkout-Formulars. Der SUS läuft neben einer JTBD-Switch-Befragung von 1.140 Abbrechern und liefert:

Kennzahl Wert
SUS-Wert des Checkouts 78
entspricht der Note B+
Durchschnitt 68
Abstand +10

Die Bedienbarkeit scheidet damit als Ursache aus. Der SUS hat nichts gefunden, und genau das war seine Aufgabe: Die geplante Formularüberarbeitung wird gestrichen, und die Aufmerksamkeit geht dorthin, wo JTBD Switch das Problem findet — bei der unklaren Lieferzeit.

Wo liegen die Grenzen des SUS?

  • Keine Ursache. Der SUS zeigt nicht, welcher Bildschirm, Schritt oder welche Funktion das Problem ist.
  • Ein Wert für alles. Verständlichkeit, Tempo, Verlässlichkeit und Gestaltung fließen in eine Zahl.
  • Einschätzung statt Verhalten. Gemessen wird, wie Teilnehmende die Bedienung erleben, nicht ob sie ihre Aufgabe tatsächlich erfüllen.
  • Unruhig bei kleinen Stichproben. Ein Sprung von 71 auf 76 bei 15 Teilnehmenden ist Rauschen, kein Fortschritt.

Wie läuft der SUS in usabiq?

Der SUS ist in jedem Plan enthalten, auch im kostenlosen Free Discovery. Der Fragebogen ist als Vorlage angelegt, die Teilnahme läuft per Link ohne Konto.

  • Auswertung ohne Sprachmodell. Der SUS wird nach der Standardauswertung von 0 bis 100 gerechnet, mit korrekter Umpolung je Teilnehmendem vor der Mittelung.
  • Kombinierbar. Als Ausschluss oder Ergänzung zu einer Methode, die nach Ursachen fragt — wie im Fallbeispiel Onlineshop.
  • Segmente vergleichen ab Decision Pro: Bewertungsunterschiede zwischen Gruppen werden mit statistischer Sicherheit ausgewiesen. Ist eine Gruppe zu klein für eine Aussage, sagt usabiq das.
  • Eine Einschränkung: Der CSV-Export umfasst den SUS derzeit noch nicht.

Quellen und weiterführende Literatur

  • John Brooke: SUS — A quick and dirty usability scale (1996), die Originalveröffentlichung
  • Jeff Sauro: A Practical Guide to the System Usability Scale (2011), Benchmark von 68 aus über 500 Studien
  • Aaron Bangor, Philip Kortum, James Miller: Determining What Individual SUS Scores Mean (2009), Notenskala und Adjektivskala
  • Jeff Sauro, James R. Lewis: Quantifying the User Experience (2016), statistische Einordnung

Durchgerechnet

SUS in einem Fallbeispiel.

  • E-Commerce · Onlineshop

    „Warum brechen Kunden den Kauf im letzten Schritt ab?“

    Rund sieben von zehn gefüllten Warenkörben werden nie bezahlt. Die üblichen Verdächtigen — Versandkosten, Kontozwang, fehlende Zahlarten — lassen sich aus dem Shopsystem nicht auseinanderhalten.

    Zwei Drittel der Abbrecher scheitern an der Lieferzeit, die erst im letzten Schritt sichtbar wird — nicht an den Versandkosten.

    JTBD Switch + SUS 1.140 Abbrecher befragt

    Fallbeispiel im Detail

Konstruierte Beispielszenarien nach typischen Projektabläufen — keine echten Kundendaten. Sie zeigen, wie eine Erhebung abläuft und welche Art von Ergebnis dabei herauskommt.

FAQ

Häufige Fragen zu SUS

Darf man die SUS-Aussagen umformulieren?

Nein, wenn Sie vergleichen wollen. Der Durchschnittswert von 68 und alle Notenskalen beruhen auf dem Wortlaut der zehn Aussagen. Wer sie „verständlicher“ macht, misst etwas anderes. Zulässig ist, „System“ durch den Namen des Produkts zu ersetzen.

Wie viele Teilnehmende braucht ein SUS?

Für eine grobe Einordnung genügen 12 bis 15, für einen belastbaren Einzelwert 30 bis 50. Wer zwei Versionen vergleichen will, braucht ab etwa 60 je Gruppe, um Unterschiede ab rund 8 Punkten zu erkennen. Die Herleitung steht im Beitrag Wie viele Teilnehmer braucht eine Umfrage?

Ist ein SUS-Wert von 72 gut?

Er liegt über dem Durchschnitt von 68, also im oberen Mittelfeld. Aussagekräftig wird er erst im Vergleich — mit der Vorgängerversion, einem Wettbewerber oder derselben Messung in einem anderen Segment. Die vollständige Notenskala erklärt der Beitrag SUS-Score interpretieren.

Kann ich den SUS mit einer anderen Methode kombinieren?

Das ist sogar der übliche Weg, weil der SUS keine Ursachen liefert. Im Fallbeispiel Onlineshop läuft er neben JTBD Switch: Der SUS schließt aus, dass die Bedienung des Checkouts das Problem ist, JTBD Switch findet den tatsächlichen Grund.

Im Blog

Weiterlesen zu SUS.

Weitere Methoden

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usabiq baut den Fragebogen, sammelt die Antworten per Link und wertet SUS aus. Enthalten ab Free Discovery — 14 Tage Decision Pro testen, ohne Kreditkarte.