Methode · UX-Benchmark
UEQ+: der modulare Fragebogen für User Experience
Der SUS sagt, dass es hakt. Der UEQ+ sagt, woran: Effizienz gut, Verlässlichkeit gut, Durchschaubarkeit deutlich negativ. Das macht ihn zur Kennzahl, mit der sich ein Umbau begründen — oder ein Abbruch verhindern — lässt.
Was ist der UEQ+?
Der UEQ+ ist ein modularer Fragebogen, der User Experience nicht als eine Zahl misst, sondern als Profil aus einzelnen Qualitäten. Martin Schrepp und Jörg Thomaschewski haben ihn 2019 als Weiterentwicklung des User Experience Questionnaire (UEQ) veröffentlicht.
Statt eines festen Fragebogens gibt es eine Sammlung validierter Skalen. Sie wählen die aus, die für Ihr Produkt relevant sind. Jede Skala besteht aus vier Gegensatzpaaren — etwa „langsam / schnell“ oder „verwirrend / übersichtlich“ —, die auf einer siebenstufigen Skala bewertet werden.
Wann passt der UEQ+ — und wann nicht?
Der UEQ+ passt, wenn Sie wissen müssen, an welcher Qualität es hängt. Typische Anlässe:
- ein System ersetzt ein anderes, und die Frage ist: besser oder schlechter — und worin?
- ein Relaunch soll vorher und nachher auf denselben Skalen gemessen werden
- zwei Produkte oder Wettbewerber werden direkt verglichen
- ein schlechter SUS-Wert soll auf eine Eigenschaft eingegrenzt werden
Der UEQ+ passt nicht, wenn Sie nur einen schnellen Gesamtwert brauchen — dann ist der SUS billiger. Und er beantwortet keine Frage nach Motiven oder Ursachen; dafür braucht es offene Fragen oder eine JTBD-Erhebung.
Welche Skalen gibt es?
Eine Sammlung validierter Skalen, aus der Sie passend zum Produkt auswählen. Häufig genutzt:
| Skala | Misst |
|---|---|
| Effizienz | Lässt sich die Aufgabe ohne unnötigen Aufwand erledigen? |
| Durchschaubarkeit | Ist leicht zu verstehen, wie es funktioniert? |
| Verlässlichkeit | Hat man das Gefühl, die Kontrolle zu behalten? |
| Nützlichkeit | Bringt die Nutzung einen Vorteil? |
| Intuitive Bedienung | Lässt es sich ohne Nachdenken bedienen? |
| Anpassbarkeit | Lässt es sich an eigene Vorlieben und Abläufe anpassen? |
| Attraktivität | Gefällt es insgesamt? |
| Vertrauenswürdigkeit | Wirkt es sicher und seriös? |
Zu jeder Skala lässt sich zusätzlich erheben, wie wichtig sie den Befragten ist. So wird sichtbar, ob ein schwacher Wert eine Qualität betrifft, die überhaupt zählt.
Die Auswahl muss begründet sein. Welche Qualitäten entscheiden bei Ihrem Produkt? Eine Kassensoftware braucht Effizienz und Durchschaubarkeit, ein Onlineshop eher Vertrauenswürdigkeit und Attraktivität.
Wie wird der UEQ+ ausgewertet?
Je Skala wird aus den vier Gegensatzpaaren ein Mittelwert von −3 bis +3 gebildet. Negative Werte stehen für eine schlechte, positive für eine gute Bewertung; Werte um null für ein neutrales Urteil.
Aussagekräftig wird der UEQ+ vor allem im Vergleich:
- Gegen einen Benchmark: Ordnet den Skalenwert gegenüber anderen gemessenen Produkten ein.
- Gegen eine frühere Messung: Dieselben Skalen vor und nach einem Umbau zeigen die Differenz je Qualität.
- Zwischen Segmenten: Ein unauffälliger Mittelwert kann zwei Gruppen mit entgegengesetzter Erfahrung verbergen.
Bei kleinen Stichproben gehört zu jedem Skalenwert ein Konfidenzintervall. Überschneiden sich die Intervalle zweier Messungen stark, ist ein Unterschied nicht belegt.
Beispiel: Vier Skalen besser, zwei deutlich schlechter
Im Fallbeispiel Kassensoftware steht ein Filialist vor dem Rollout einer neuen Kassensoftware in 168 Filialen. Aus dem Pilot kommen widersprüchliche Rückmeldungen. 289 Mitarbeitende bewerten sechs Skalen — für das alte und das neue System:
| Skala | Alt | Neu | Delta | Note |
|---|---|---|---|---|
| Nützlichkeit | 0,8 | 1,7 | +0,9 | B |
| Anpassbarkeit | 0,3 | 1,2 | +0,9 | C |
| Effizienz | 1,1 | 1,9 | +0,8 | B |
| Verlässlichkeit | 1,4 | 1,5 | +0,1 | C |
| Intuitive Bedienung | 1,3 | 0,4 | −0,9 | E |
| Durchschaubarkeit | 1,2 | 0,2 | −1,0 | E |
„Das System ist schlecht“ stimmt nicht — „das System hat zwei konkrete Schwachstellen“ schon. Der Segmentvergleich zeigt zudem, dass langjährige Mitarbeitende die intuitive Bedienung deutlich schlechter bewerten als neue. Der Abbruch des Rollouts wird verworfen; stattdessen werden zwei Bedienwege korrigiert und der Rollout um vier Wochen verschoben.
Wo liegen die Grenzen des UEQ+?
- Längerer Fragebogen. Jede Skala kostet vier Bewertungen. Mehr als eine Handvoll Skalen überfordert Teilnehmende.
- Mehr Teilnehmende. Weil je Skala ausgewertet wird, braucht der UEQ+ deutlich mehr Antworten als der SUS.
- Die Auswahl ist eine Entscheidung. Wer die falschen Skalen wählt, misst präzise an der Frage vorbei.
- Keine Ursache. Der UEQ+ zeigt, welche Qualität schwach ist, nicht welcher Bildschirm oder welcher Ablauf dahintersteckt. Dafür braucht es offene Fragen.
Wie läuft der UEQ+ in usabiq?
UEQ+ ist ab Research Core enthalten.
- Bis zu 15 Skalen und drei Presets als Ausgangspunkt für die Auswahl.
- Noten von A bis F je Skala, dazu Konfidenzintervalle — gescort ohne Sprachmodell.
- Offene Zwischenwerte. Alle Skalenmittel sind einzeln einsehbar und exportierbar, nicht nur die Note.
- Offene Zusatzfragen werden getrennt ausgewertet; die automatische Themenbildung läuft nur bei JTBD Switch, JTBD Story und dem freien Fragebogen.
- Segmente vergleichen ab Decision Pro — mit statistischer Sicherheit statt bunter Balken. Ist eine Gruppe für eine Aussage zu klein, sagt usabiq das.
Quellen und weiterführende Literatur
- Martin Schrepp, Jörg Thomaschewski: Design and Validation of a Framework for the Creation of User Experience Questionnaires (UEQ+, 2019)
- Bettina Laugwitz, Theo Held, Martin Schrepp: Construction and Evaluation of a User Experience Questionnaire (2008), der Vorgänger UEQ
- Martin Schrepp, Jörg Thomaschewski: Handbook for the modular extension of the User Experience Questionnaire (UEQ+), Aufbau der Skalen und Auswertung
Durchgerechnet
UEQ+ in einem Fallbeispiel.
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Einzelhandel · Software-Rollout
„Kommen die Filialteams mit der neuen Kassensoftware klar?“
Der Pilot lief in zwölf Filialen. Die Rückmeldungen der Regionalleitungen reichen von „läuft“ bis „Katastrophe“. Der Rollout in 168 weitere Filialen steht an — abbrechen kostet Millionen, weitermachen womöglich auch.
Insgesamt besser als das Altsystem — aber langjährige Mitarbeitende bewerten die Bedienbarkeit deutlich schlechter als neue. Der Rollout läuft, zwei Bedienwege werden vorher korrigiert.
Fallbeispiel im Detail
Konstruierte Beispielszenarien nach typischen Projektabläufen — keine echten Kundendaten. Sie zeigen, wie eine Erhebung abläuft und welche Art von Ergebnis dabei herauskommt.
FAQ
Häufige Fragen zu UEQ+
Wie viele Skalen sollte ich auswählen?
So wenige, wie Ihre Frage erlaubt — meist drei bis sechs. Jede Skala verlängert den Fragebogen. Wer alle nimmt, überfordert Teilnehmende und bekommt flüchtigere Antworten. Im Fallbeispiel Kassensoftware sind es sechs Skalen, zweimal erhoben — für das alte und das neue System.
Wie viele Teilnehmende braucht der UEQ+?
Mehr als der SUS, weil je Skala ausgewertet wird: ab etwa 30 für eine Einordnung, besser 50 und mehr. Wer Segmente vergleichen will, braucht diese Größenordnung je Segment.
UEQ+ oder SUS?
SUS, wenn Sie schnell einen vergleichbaren Gesamtwert brauchen. UEQ+, wenn Sie wissen müssen, an welcher Eigenschaft es hängt — und bereit sind, dafür einen längeren Fragebogen in Kauf zu nehmen. Die Gegenüberstellung steht im Beitrag UEQ+, SUS und NPS im Vergleich.
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Allgemein
Fragebogen
Freitext, Single- und Multiple-Choice, Likert-Skalen und Sektionen.
UEQ+ erheben, ohne selbst zu rechnen.
usabiq baut den Fragebogen, sammelt die Antworten per Link und wertet UEQ+ aus. Enthalten ab Research Core — 14 Tage Decision Pro testen, ohne Kreditkarte.